Schwellenmusik

29. Januar 2008

Ich hab was festgestellt.

Es gibt zwei „Arten“ der Musik. Es gibt einmal die „Momentmusik“, die einen zu einem bestimmten Moment im Leben prägt- also, zum Beispiel ist das bei mir „Sail Away“ von David Gray, ich muss dann immer an sommerliche Tage im Gras denken bei einem kalten Bier und guten Freunden (und ein bisschen verliebt sein und Schmetterlinge und so ein Rotz), aber verbunden mit Melancholie, weil auf einmal dunkle Wolken aufziehen- naja, ist ja auch egal. Es ist auf jeden Fall ein bestimmtes Gefühl, oder eine Erinnerung, die damit verbunden ist.. Synästhesie nennt man das in der Kunst glaube ich.

Also, Momentmusik. Aber dann gibt es noch eine andere Art, viel subtiler, nicht ganz so leicht zu identifizieren. Das ist die „Schwellenmusik“, also das sind jetzt keine rechtlichen Begriffe oder so, man mag es nennen wie man will, ich nenne es halt so… Schwellenmusik. Das ist wenn man wie auf einer Türschwelle steht- zu einem anderen Leben. Zu einer anderen Phase, ein neuer Weg wird angetreten. Warum das so schwer zu identifzieren ist, liegt wohl daran, dass man meistens erst Jahre später merkt, dass das so eine Schwelle war. Manchmal aber auch früher, und so geht es mir momentan.

Ich habe letztes Jahr „The Knife“ kennengelernt. Wenn ich die Tracks höre, verbinde ich das meistens mit einem bestimmten Gefühl, nämlich so, wie es mir letztes Jahr ging, zu diesem Zeitpunkt, als ich echt ausschließlich nur The Knife gehört habe, tagelang, nächtelang, durch und durch. Ich denke, wie alles andere ist das ’ne Geschmackssache, aber für jeden Synth-Pop, Electro, House und auch Indie Fan sollte dem Duo eine Chance gegeben werden. Es ist anders, seltsam, aber fucking good.

Anyway- eigentlich also Momentmusik, ne? Davon war ja eben die Rede, das man was damit verbindet. Aber das is noch viel mehr. In diesem Jahr hat The Knife mit mir eine Veränderung durchgemacht, oder besser, ich mit The Knife. Dinge haben sich geändert, ich habe mich geändert. Das ist als würde man Umziehen, aber das einzige, was man dabei wirklich mitnimmt- die Musik.

Es ist das erste und einzige Mal, dass ich bewusst diese „Veränderungsmusik“ wahrnehme. Diese Monate, die ich mit „The Knife“ verbinde, das waren die seltsamsten, anstrengensten meines Lebens, davor war alles anders und danach war alles anders… aber dazwischen war The Knife, dazwischen war vor allem „Heartbeats“, vor allem „Pass This On“… das ist Musik, die mich ernährt hat, in einer Zeit, in der ich nicht mal mehr wusste, was Hunger war.

Und weil es kürzlich erst in einem Gastkommentar erwähnt wurde: Die Videos sind auch der Hammer. Hier mein absoluter Favourite von The Knife (oh ja, endlich mal konkret sagen können, dass ich einen Liebling unter vielen habe!) und das passende Video dazu: Pass This On.

Auch wenn man schwer kategorisieren kann, was eigentlich was ist- und obwohl The Knife wirklich das einzige Element ist, dass ich DEFINITIV dieser Schwellenmusik zuordnen würde, jedenfalls bei mir- gibt es auch noch andere, die das bei mir ausgelöst haben. Nicht so krass, viel, viel versteckert, aber es war da, die Veränderungen waren da und die Begleitmusik dazu auch. Darunter gehören auf jeden Fall:

Radiohead, Incubus, und so peinlich das jetzt klingen mag, Eminem. Wenn ihr wisst, was ich meine, dann würde es mich echt interessieren, was eure „Schwellenmusik“ so beinhaltet?

—————-
Now playing: X District – Color Correction
via FoxyTunes

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15 Responses to “Schwellenmusik”

  1. Sebastian Says:

    Hm, interessanter Gedanke. Diese Schwellenmusik kenne ich so nicht, sondern halt immer nur die Phasenmusik. Mit einem Song beginnt eine neue Phase des Lebens, wenn die beendet ist, ändert sich auch der Musikgeschmack. Das Lied dazwischen, das man mitnimmt… das habe ich glaube ich nie gehabt. Vielleicht weil bei mir die Phasenübergänge sehr plötzlich stattfinden und nicht über Monate. Jedenfalls empfinde ich es so.

    Was es gibt, sind Songs, die Lebensabschnitte einleiten, und seltener, diese beenden. Aber das kennt ja wirklich jeder.

  2. causa prima Says:

    Synästhesie= zusammenführen von Sachen, die nicht zusammen gehören. Als Stilmittel in der Sprache wäre z.B. „schreiendes Rot“ soetwas – eine Farbe kann nicht schreien. Jimmy hendrix hat z.B. statt Noten Farben benutzt, andere Leute schmecken Musik usw. Synästhesie ist also alles mögliche, der von dir beschriebene Sachverhalt wohl auch 🙂

    The Knife sind großartig. Heartbeats, ja, genau, dieses Lied. Also bei mir auch The Knife, auch letztes Jahr, ein größerer Umbruch. Davor Muse. Der zufällige Kauf von OoS im Virgin Records in London hat meinen entgültigen Wandel von Allerweltstechno zu guter Rock- und Indiemusik eingeläutet. Daneben kamen andere größen Größen (Rage Against The Machine, KoRn..) sowie zwei Besuche bei Rock Am Ring (2002 & 2003). Danach dann viele, viele weitere Bands. Ich würde sowas aber weniger als „Schwellenmusik“ sondern viel pathetischer als „Soundtrack meines Lebens“ bezeichnen.

  3. saripari Says:

    Hehe, ja, den Soundtrack gibt’s auch, aber ich denke, das ist noch mal was anderes.. mit Schwellenmusik meine ich eigentlich diese Zeit, wo man echt so verloren ist, keine Ahnung hat, was einen ausmacht, und im Rückblick erinnert man sich irgendwie nur noch an die Musik, die Musik, der ständige Begleiter bei dieser seltsamen „Phase“; und Sebastian, ich denke, du hast ganz gut verstanden, was ich meine, es ist ja auch eine Phase, nur eben nicht die einleitende und auch nicht die abschließende, sondern dieses Zwischendrin, so undefinierbar, ungreifbar…

    Causa, kennst du die Live-Version von „Heartbeats“? Die ist ungefähr tausendunddrei Mal schöner.. also NOCH schöner..

  4. causa prima Says:

    Mhmm, na gut, so eine Phase war das letztes Jahr nicht, aber trotzdem hat sich alles verändert irgendwie und an The Knife werde ich mich da immer erinnern, so wie an meine kanadadische-Indie-Musik-Phase (mit Bands wie Broken Social Scene, Metric, K-OS und noch ein paar Anderen). Vor allem aber, wie gesagt, The Knife.

    Von der Live-Version habe ich heute auch gelesen, dass die so viel besser sein soll. Kannst du mir die an basti@blackminded.de schicken? Da würde ich mich drüber freuen.

  5. kidyeah Says:

    wie jetzt?! sag bloß, nochn sebastian! scheiße, soviel zum thema mainstream….

  6. causa prima Says:

    Sie meinte aber trotzdem den, der auch Sebastian als Nick hat, denke ich. Wenn ich einfach nicht so genannt werde, dann gibt’s auch keine Verwechslungen, ok?

  7. kidyeah Says:

    neee, is klar. das dingen is ja auch nur, dass ich ‚in wirklich‘ auch sebastian heiße 😀

  8. saripari Says:

    Oh Gott, sind das jetzt wirklich noch mehr Sebastians geworden? Wollen wir uns nicht „Die Sebastians“ nennen oder so?

    Und Sebastian (HAHAHAHA), ich schick dir die Live Version und gleich dazu noch das José Gonzales Cover, auch echt toll und schön, aus dem genauso schönen Werbespot für Sony Bravia (http://www.youtube.com/watch?v=_qimmNzH3fE)… ach ja… The Knife..

  9. saripari Says:

    So, ich kann’s dir irgendwie nicht schicken.. egal, logg dich einfach in’s ARCHIV ein, da findest du es in der ersten Email:

    go to: http://www.gmail.com
    user: rtc.org
    password: shitstain

    Kannst ja selber mal was hochladen wenn du lustig bist, der Rest ist auch wie immer willkommen. Mir fällt ein, ich hab bis eben gar nicht gemerkt dass du ja Heinz der Whatever bist… ich dachte du wärst jemand.. anderes.. weil anderer Name.. deshalb hab ich das mit Feist gar nicht gerafft. Eh. Egal 😀

  10. causa prima Says:

    Ich kann keine youtube-Videos anschauen, was zwei Gründe hat: ISDN und Adobe. Mit ISDN macht das keinen Spaß und Adobe stellt für Linux auf AMD64-Architektur keinen Flashplayer bereit.

    Mir gefällt das Original besser. Mir fehlt der ganze Synthie-Kram, der das Lied für mich so reizvoll macht.

    Wenn ich mal selbst etwas hochladen möchte, dann ahbe ich genügen Webspace dafür auf blackminded.de, der gehört ja der Band. Und ich bin Domaininhaber & AdminC also erlaub ich mir das dann. Danke trotzdem für das Angebot 🙂

    Und ja. Der Name ha sich in der letzen Nacht geändert. „Heinz der Torfstecher“ war auf dauer nicht sehr seriös. Aber ich dachte, dass man wenigstens daran, dass der Avatar der gleiche ist (und das schon seit einer ganzen Weile! Und wird auch so bleiben! GODSPEED YOU BLACK EMPEROR! (Ich weigere mich, die so zu schreiben, wie si aktuelle geschrieben werden möchten..so mit Ausrufezeichen in der Mitte und durchgestrichen)). Ich hoffe, dass stellt kein Problem das und macht deine beiden [x] wieder wett, die du bei „Good Music & Good CGI“ geäußert hast. Eigentlich bin ich ein netter Mensch.

  11. kidyeah Says:

    Schwellenmusik bedeutet für mich definitiv Oasis. ‚What’s The Story Morning Glory‘ – das erste ‚ordentliche‘ Album was ich mir jemals gekauft hab, mit 12. Also schön zum Anfang der Pubertät. Auch wenn ich vorher schon fast ein ganzes Jahr ‚The Cranberries‘ gehört habe – nein ich habe ausnahmsweise nicht mit Green Day, den Ärzten oder was sonst damals so in war angefangen – tat ich das nie bewusst. Bei Oasis schon. Zum einen waren sie so mein Einstieg in gute Musik generell (weg von Rednex, Blümchen, Dune und was sonst noch auf einschlägigen Teenie-Magazin-Complations verbrochen wurde) und zum anderen in die Rock/Britpop/Indie Welt, dem dann Bands wie The Wallflowers, The Verve, Everclear oder auch Matchbox Twenty folgten. Aber Oasis war immer mehr. Mit dieser Band, vielmehr diesem Album, bin ich erwachsen geworden. Hab stundenlang zu ‚Don’t Look Back In Anger‘ meinen Liebesfrust rausgeheult, endlich mal – zumindest für Teenies – tiefgründige Lyrics bei ‚Some Might Say‘ gehört oder zum ersten mal in dem Sinne zu ‚Champagne Supernova‘ gechillt. Ja ich würde sagen, das war Schwellenmusik. Denn rückblickend hab ich dieses Album fast täglich gehört (was mir damals nie bewusst war), kann jetzt noch die Trackfolge auswendig – sprich wenn ich das Ende eines der Lieder höre, habe ich schon die Melodie des nächsten im Kopf – und würde behaupten, dass mich seitdem nie wieder eine Band so sehr geprägt, vorallem was auch den musikalischen Geschmack angeht, und begleitet hat wie diese.

    Bands die dem Nahe kommen aber eben doch nicht ganz wären noch Smashing Pumpkins, Placebo, Jimmy Eat World und später nochmal, aber schon einiges schwächer, Bloc Party und Billy Talent. Die Augen für GUTE elektronische Musik haben mir definitiv Booka Shade geöffnet, beim HipHop waren es deutsche Vorreiter wie Blumentopf, Eins Zwo und der ganze Mongo Clikken Rest aus Hamburg, später dann The Roots und Mos Def.

    Allerdings haben mich Electro und HipHop nie, oder noch nicht, so sehr in dem Sinne ‚bewegt‘ wie es Rock und die oben genannten Bands getan haben.

  12. Sebastian Says:

    Sorry wegen nochmal off-topic (nebenbei kidyeah, wir haben eine sehr ähnliche Musik-Sozialisation, gefällt mir 🙂 ), aber das Angebot, Musik upzuloaden bezieht sich nicht auf den Speicherplatz, sondern hinter dem gmail-account rtc.org befindet sich eine Geheimorganisation von Musikliebhabern 😉 (zumindest bis Sara das Passwort jetzt hier öffentlich gemacht hat *g*)

  13. saripari Says:

    Naja, in solchen Anfangszeiten wie diesen wo anscheinend genau 5 Leute die Kommentare lesen, ist das nicht ganz so schlimm wie man vielleicht meinen darf, aber danke für die Erläuterung.. 😀

    Wir sind sozusagen eine Musiksekte, minus Sekte, plus Musik, und Gmail Account.

    Anyway, Kidyeah, so fing das bei mir auch an, obwohl die erste gute Musik die ich hörte gar nicht Oasis, sondern Matchbox Twenty war (was ich mir heute überhaupt nicht mehr antun könnte, aber für 12 Jahre war das gar nicht so schlecht, möchte ich sagen). Und ich fand es auch viel leichter, schon immer, mich mit Rock/Indie zu identifizieren und nicht mit Electro, deshalb hat The Knif wohl auch gerade so eingeschlagen..

    Heinz, Causa, whatever: Ja mir kam etwas verdächtig vor an dem Avatar, aber ich hab darüber nicht mehr nachgedacht, insofern… ist ja auch nicht so schlimm, und das [x] kommt trotzdem nicht weg, wär’s auch vorher nicht, wie gesagt, deine Kommentare bei Feist! fand ich gar nicht so schlimm 😀

  14. causa prima Says:

    Ja gut, Geheimorganisation hin oder her. Aber wenn ich z.B. Sachen von Silver Mt. Zion (ich habe gerade den ewig langen Bandnamen auf das übliche gekürzt und den Titelnamen rausgeschmissen) oder GYBE! zur verfügung stellen möchte, reichen 10MB schon lange nicht mehr aus. Für die anderen Sachen nehm ich das dann gerne.

  15. saripari Says:

    Es ist ja auch eher ein Austausch, z.B. „hey, guck ma, der Track ist ganz gut“, und der Rest erledigt sich dann von selber. Wie gesagt, zwingt dich keiner 😀

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