Start with a Strong and Persistent Desire

12. Februar 2008

Ich fang mal mit Namedropping an, Google freut sich und ich hab‘ eine Begründung, warum dieses ungaubliche Album einfach untergegangen ist. Los geht’s also:

Es ist 2002, das Musikjahr beginnt mit dem Kracheralbum „Neon Golden“ von The Notwist. Dann kommt lange Zeit nichts bekanntes mehr, bis Muse im Juli mit Hullabaloo die Lücke zwischen „Origin Of Symmetry“ und „Absolution“ schließen. Dann geht’s so richtig los: The Vines debütieren mit „Highly Evolved“ ziemlich erfolgreich, schon allein wegen Singles wie „Get Free“ und „Outathaway!“. Bright Eyes (aka. Conor Oberst) schaffen ab August den Durchbruch in Europa, Coldplay kommen mit „a rush of blood to the head“ noch viel größer raus als vorher mit „Parachutes“. Beendet wird der Monat von den Queens Of The Stone Age, die mit „songs for the deaf“ absolut alles richtig gemacht haben. Im Oktober erscheint dann Dredg’s grandioses „El Cielo“ und Broken Social Scene räumen mit „you forgot it in people“ bei den meisten Kritikern ab, bevor im November mit „Yanqui U.X.O.“ die (bisher) letze Meldung aus dem Zentrum des Post-Rock von Godspeed You! Black Emperor erscheint. Mehr beachtet werden in diesem Monat aber die Supergroup Audioslave mit ihrem selbstbetiteltem Album sowie System Of A Down’s Versuch mit „Steal this album!“ an den Erfolg von „Toxicity“ anzuknüpfen. Kein schlechtes Jahr also für Musikfreunde.

Aber das (für mich) größte Album dieses Jahres und (bisher) aller Zeit findet in diesem Jahr gar keine Zeit zum Luft kriegen, erscheint es doch kurz nach den Vines. Vielleicht kommt es auch generell zur falschen Zeit, denn es ist ja eher die Zeit der Retrospektive als der Zukunftszugewandheit, soundmäßig zumindest. Es kommt wie es kommen muss, das Album wird wenig beachtet, Produzent und Labelchef Ross Robinson gibt die in die Band gesetzte Hoffnung auf. Die Band wird wegen mangelnden Erfolges schon Ende des Jahres vom Label gedropt und trennt sich dann kurze Zeit später. Jetzt aber ersteinmal zum Anfang.

Ende 2000 gibt es beim Kerang!-Magazin einen Demowettbewerb an welchem man sich beteiligt. Das Demo gelangt in die Hände von Ross Robinson, der von den Aufnahmen sehr begeistert ist und sich entschließt ein ganzes Album mit der Band zu machen. So entsteht schlussendlich „Start with a Strong and Persistent Desire“ von Vex Red. Schon allein die Besetzung der Band ist Instrumental gesehen fett: Terry Abbott (voc, git), Keith Lambert (b), Ant Forbes (git, keys), Nick Goulding (git, b) und Ben Calvert (dr). Herraus kommt ein unvergleichlicher Sound, der von Kritikern mit einigen berühmten, bekannten und erfolgreichen Bands in einen Topf geschmissen wurden: Tool, Korn, Black Sabbath, Silverchair, Sisters Of Mercy und noch einige andere. Klanglich sind sie aber ganz wo anders, schon allein, weil keine der Bands Synthesizer wirklich nutzt. Eben futuristischer irgendwie, auch wenn das Wort trotzdem kein bisschen passt. Zwischen Industrial, Emo, Hard Rock und Nine Inch Nails, aber selbst diese Beschreibung passt nicht.

Das Album beginnt gleich mit dem was es vielleicht am besten kann, volle Breitseite. „The Closest“ zeigt Vex Red von der besten Seite: Abotts Gesang, großem Gitarrengerummel, umherfliegenden Synthie-Sounds, genialem Schlagzeug, und Ruhe. Mitten im Song fliegt einem dann der Synthie zwischen den Ohren umher, bevor die Gitarren wieder mehrstimmig zusammen mit dem Bass alles wegrollen, was vorher mal da war. Enden tut das ganze mit zerstückeltem Synthie in aller Ruhe. Was für ein Auftakt. Mit dem darauf folgendem, etwas schrägerem „Dermo“ kann sich bestimmt nicht jeder anfreunden, „Can’t Smile“ macht dagegen wieder alles richtig. Gegen den Takt kämpft der wabernde Synthie im Hintergrund, die Gitarre will Ruhe reinbringen und der Schlagzeuger lässt sich davon nicht beirren. Nur in den Refrains sind sich alle einig und geben die gewohnte Breitseite. Typische Single irgendwie. Mit „Untitled“ kommt dann der erste langsamere Titel, am Anfang als Balade getarnt, dann aber doch plötzlich stark ausbrechend. Großes Kino der Herzschmerz-Songs; groß, weit, ausladend, zerstörerisch. Nachdem der Song langsam mit Klavier ausklingt, folgt „Itch“ in so einer catchy Art und Weise, dass es klar ist, dass dies die erste Single werden musste. Und der Song wird auch nie langweilig finde ich. Darauf folgt dann wieder eine Ballade – „Bully Me“. Wieder plötzlich ausbrechend, aber nicht so hart und verzweifelt wie in „Untitled“ schunkelt sich der Song als erster in den 3/4tel-Takt. „Cause and Solution“ ist dannach ein vollkommen instrumentaler Track für alle Electro-freunde, in dem die Synthies die Hauptrolle spielen; es bleibt aber immernoch ein Rocktitel, der sich bis zu seinem Höhepunkt pulsierend aufbaut. Der Titel klingt dann mit einem an ein Rhodes angelehnten Sound langsam aus, damit „Start with a Strong and Persistent Desire“ losstampfen kann und den zugrundeliegenden 3/4tel-Takt so glattbügelt, dass man garnicht merkt, warum es so kraftvoll stampft. Es folgt mit „Clone Jesus“ im Kontrast zum Vorgänger ein etwas uninteressanterer, belangloserer Titel, der eigentlich aber nur durch den Voränger nicht so richtig zur Geltung kommt. Wieder merkt man den 3/4tel-Takt eigentlich nicht. Als vorletzen Titel hat man das etwas undurchsichtige „Sleep does nothing for you“ gewählt, der Titel fließt nicht so richtig wie der Rest des Albums, er hakt durch den Gesang irgendwie bis kurz vor Schluss die ganze Zeit, überall ist ein Synthie eingebracht, die Basslinie läuft viel zu unruhig umher. Der Schluss des Albums wird sehr ruhig eingeläutet, nachdem zuvor so laut geendet wurde. Aber „Vert“ baut sich nach und nach auf, um schließlich den Momenten bevor dem es langweilig zu werden scheint immer einen Gang hochzuschalten, bis der ganze Song in das famoseste Chaos der Musikgeschichte endet. Den Titel konnte bisher keine Anlage laut genug abspielen.

Alles in allem ein sehr in sich geschlossenes Album ohne Ausfall, grandiosem Sound, ein absolut überzeugendes Gesamtergebnis. Ich fühle mich bei jedem Titel quasi zum mitsingen verpflichtet, Hände, Füße und Kopf wippen automatisch mit, der Lautstärkeregler wird immer viel zu laut eingestellt. Alle, die ein wenig an „Rock“ interessiert sind, sollten mal einen oder zwei Blicke riskieren, Anspieltipps sind „The Closest“, „Itch“, „Can’t smile“, „Start with a strong..“ und „Cause and Solution“. Ich habe noch 11 weiter Vex Red-Titel, auch aus Zeiten ohne Abott, Liveaufnahmen und solch Zeugs, alles grandiose Aufnahmen. Die Band hatt nie einen schlechten Titel abgeliefert, aber leider löste sie sich ebend auf. Als Nachfolgebands gibt es einmal „Scenes“ mit den Instrumentalisten, und „Septembre“, wo nur Abott seine Vorstellungen verwirklicht und dort ebenfals ein grandioses Werk liefert, nur leider ohne die Synthies, die Vex Red einfach nur genial machten. Wer also auf den Geschmack gekommen ist, sollte sich dieses grandiose Album zulegen. Ich für meinen Teil würde bei einer nicht total unrealistischen Reunion der Band sogar nach England fliegen um sie mal live zu erleben. Das Album ist das einzige, das ich seit Jahren regelmäßig höre. Und ich bin immernoch davon begeistert.

MySpace

Fansite

(Die youtube-Links sind von mir aus bekannten Gründen ungeprüft, sollten aber hoffentlich die richtigen Titel liefern.)

Advertisements

One Response to “Start with a Strong and Persistent Desire”

  1. saripari Says:

    Hab mir jetzt aus Zeitgründen nur The Closest angehört, und naja, ich finds nicht schlecht, allerdings konnten Mad At Gravity sowas viel besser…

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s