Die Verzerrung der Musik

25. Oktober 2011

Durch das Internet werden immer mehr Genrehybriden geboren, die ich nicht zuordnen kann oder gar nicht zugeordnet werden können, egal ob von mir oder von den selbsternannten Musikexperten dieser Welt. Es werden mittlerweile kulturenübergreifend Sounds gemischt, die vor einigen Jahren noch undenkbar waren. Dabei sind die Ursprünge nie gänzlich verschieden, nur die jeweilige Entwicklung hat durch nationale Grenzen und Vorlieben und Eigenheiten eben andere Richtungen genommen.

Der in den USA entstandene Hip Hop (heute: Old School Hip Hop), basierend auf dem Sampling & Scratching von Blues, wurde in Großbritannien (vor allem in Londons Ghettos) mit den heimischen elektronischen, punkigen und sperrigen Sounds gemischt, sodass es zwar vielleicht vom Überbegriff her noch als eine Art Ode an den Hip Hop anhört, es aber schon ein Eigenleben angenommen hat. Sozusagen eine Mutation, als hätte man Roulette gespielt – das russische.

Die USA haben also ihren urtypischen Rap, der sich dann noch mal in lokale Grenzen fügt und differenzieren lässt – so ist der Ursprung New York immer noch ein relativ klassischer Sound, Vorreiter wie Nas und Jay-Z halten immer noch die Speerspitze und sitzen entschlossen (mit Nachzüglern der East Coast wie etwa Kanye West) auf ihren Thrönen. Doch schon auf der anderen Seite des Landes, der West Side, entsteht etwas gänzlich anderes in den 80er Jahren, mit mehr Rhythmus in den Samples und mehr Funk in den Harmonien – Gangsterfunk, oder G-Funk, vor allem repräsentiert von Snoop Dogg und Produzent Dr. Dre.

Der Süden kam zuletzt in den 90er Jahren dazu, mit einem ganz einschlägigen Country-Nachgeschmack, rollenderen Beats und anderen Rap-Stiles (destruktiver Rap etwa wie der des Lil‘ Waynes kommen aus diesen Regionen). Aber all das war noch vor der Zeit des Internet: mittlerweile kann jeder, auch ohne große Community, ein Mixtape zusammenbasteln und Online vertreiben. Genauso werkeln die Produzenten schließlich ozeanübergreifend dann alle möglichen Klänge zusammen. Auf einmal bestehen Hip Hop Beats nicht mehr aus Blues- sondern aus Dubstep-Samples, und die Lyrics greifen von weißen reichen Kids bis über das konventionelle Leben eines Schwarzen „Gangsters“ aus dem Ghetto, der darüber singt und rappt, wie er jeden Tag tonnenweise Drogen verkaufen, Autos schieben und klauen muss, um dann sein Geld für Stripper auszugeben und im Casino spielen gehen kann.

In jedem Fall sind diese vielen Zweige und Äste, die sich gerade mit „Post-Dubstep“ und „Indie R&B“ entwickeln sehr interessant anzusehen. Bis vor einigen Jahren wurde Hip Hop als stagniert abgefedert, heute steht diesem Genre noch eine breite Zukunft der Neuerung und der Innovation entgegen. Allerdings sollte hier noch mal betont sein: das war keine innere Rettung, das war eine Hilfestellung von außen, von Genrefremden Produzenten und Hobby-DJs, die sich vom riesigen Archiv des Internets begeistern ließen und dem Begriff „Remix“ einen neuen Wert gaben…

M83 – We Own The Sky

20. Oktober 2011

Ein ganz großartiger Song ist auch dieser hier.

Den möchte man in einer Singlebörse geradezu als Favorite angeben.