16 + 1

8. Juli 2009

Fuck, die Abstände werden erschreckend groß. Drei Monate, new personal record. Nichtsdestotrotz wollte ich mal wieder Laut geben und ein – diesmal etwas größeres – Konsortium aktueller Playlist Helden vorstellen. Aufgrund der großen Zeitspanne beläuft sich die Anzahl der neuen Favorites auf sagenhafte, exorbitante, intergalaktische 17 Acts. Hehe. Wer weiß, vielleicht kennt ihr auch schon wieder die Hälfte, aber wenn ihr nach dem Artikel auch nur eine halbe neue Lieblingsband habt, dann hat es sich doch schon sowas von gelohnt.

Bei so einem Wust von Namen und Links werd ich mich diesmal enorm kurz fassen,. Ihr kriegt den Link, das Genre, ein ‚klingt wie‘, einen Satz, das gerade in meiner Playlist laufende Album/EP (wenn noch nix vorhanden,  dann MySpace) und das absolute must-hear Lied. Ach genau, alles was aus Skandinavien kommt, hab ich mit nem fetten Smiley gekennzeichnet. Muss ja mal ein bissi represänten. Enjoy.

Hudson Mohawke. ELECTRONICA / GLITCH HOP. Wie ein Beat Digger der ab und zu mal E schmeißt. Läuft grad ganz groß Gefahr in kürzester Zeit von mir totgehört zu werden – 10mal am Tag reicht nich. Polyfolk Dance + 7×7. „Overnight“

🙂 Ken Ring. HIP HOP. Wie andere schwedischer Hip Hop à la Latin Kings oder Looptroop. Der Sound der ersten Alben erinnert an den des guten alten deutschen Hip Hops um die Jahrtausendwende, stammt ja auch aus der gleichen Zeit.Vägen Tilbaka. „Grabbarna Från Vörorten“

Onra. HIP HOP. Wie J Dilla, nur nicht ganz so verspielt. Nice Beats die man gut beim Arbeiten im Hintergrund laufen lassen kann. Chinoiseries. „The Anthem“

Das EFX. HIP HOP. Wie  East Coast conscious Rap im Stile von EPMD oder A Tribe Called Quest. Erstaunlich Nu Skool dafür dass es so Oldskool ist. Straight Up Sewaside + Hold It Down. „Real Hip Hop“

Bobby Birdman. ALTERNATIVE / OTHER. Wie ein Surf Hippie der mal mit Elektronik rumspielen wollte. Letzteres macht ihn wohl zu weird um jemals wie Jack Johnson über Jahre hinweg in sämtlichen deutschen Coffeebars bis zum erbrechen rauf und runter gespielt zu werden. Giraffes and Jackals. „Invisible“

Fnessnej. INDIE / EXPERIMENTAL. Wie hyperaktive 13jährige mit einem Arsenal von Kinderspielzeug. Live der absolue Hammer, die sind genauso durch, wie sie klingen. Stay Fresh, Ey. „Gewehrwolfgang“

Nosaj Thing. ELECTRONICA / HIP HOP. Wie Flying Lotus. Neckbreaking. Drift. „Light#1“

Two Door Cinema Club. INDIE / ROCK. Wie The Kooks oder Arctic Monkeys nur irgendwie… ähm… moderner? Kein Wunder, dass sich Kitsuné die innerhalb kürzester Zeit unter den Nagel gerissen hat. MySpace. „Undercover Martyn“

🙂 Captain Credible. ELECTRONICA / EXPERIMENTAL. Wie ein Weltuntergangsszenario in dem der Teufel Helium inhaliert. Einfach nur irre, mein neuer Lieblings Live Act. MySpace. „Shooting Elephants On The Serengeti“

Matt & Kim. INDIE / ROCK. Wie genau das was sie sind: Design Studenten, die keine Ahnung von Instrumenten hatten aber ne Band gründen wollten. Äußerst sympathisches Duo mit gute Laune Garantie (hab ich das wirklich grad geschrieben…?). S/T + Grand. „Daylight“

Gang Gang Dance. ALTERNATIVE / EXPERIMENTAL. Wie Animal Collective sagen viele – ich finde nicht. Manche Sachen sind absolut genial, manches geht gar nich. Saint Dymphna. „House Jam“

Clubroot. ELECTRONICA / AMBIENT. Wie Burial, nur ruhiger und nicht ganz so traurig. Whoohoo, endlich eine Alternative zum LowDub Gott! Clubroot. „Radio1 Mix“

🙂 Casiokids. ELECTRONICA. Wie das Resultat einer Affaire des Sigur Rós Frontmanns mit einem Gameboy. Klingt komisch ist aber so und ich krieg im Moment nich genug davon. MySpace. „Verdens Storste Land“

🙂 Bang Gang. ACOUSTIC / AMBIENT. Wie Liebeskummer. Irgendwie bekommen die es hin gleichzeittig kühl und behaglich warm zu klingen. Something Wrong. „Inside“

Grizzly Bear. INDIE / FOLK. Wie depressive Vororthicks aus den Südstaaten. Da muss ich inder richtigen Laune sein. Veckatimest. „Two Weeks“

Statistics. INDIE / ROCK. Wie als würden Plushgun, PlayRadioPlay! und Bright Eyes mal die Rocksäue raushängen lassen wollen. Und wenn sie das so machen würden, wie dieser Junge Mann, immer gerne. MySpace.“Final Broadcast“

+

🙂 Maria Mena. ACOUSTIC / POP. Wie Lily Allen und Kate Bush. Nur dass Misses Mena die zwei rein stimmlich mal gehörig in den Arsch fickt. Cause and Effect. „All This Time“

So, und jetzt noch fünf Videos von eben gennanten Künstlern als Appetithäppchen. Hudson Mohawke, Ken Ring, Two Door Cinema Club, Captain Credible und Casiokids.

Strandparty

2. Juli 2008

Anlässlich dieses ja wirklich fantastischen Wetters und der Tatsache, dass es hier keinen Strand gibt, möchte ich mir wenigstens vorstellen, auf einem Handtuch zu liegen, warme Cola zu trinken, den Ghettoblaster mit Sand zu ruinieren und eine hummerrote Farbe anzunehmen. So gesehen ist es garnicht schlecht, den Tag am Meer nur im Kopf abspielen zu lassen.


(Foto)(cc)

Ein wirklicher Fantasiekatalysator ist Musik, darum eine kleine Auswahl guter, altbewährter und bekannter Sommermelodien, anzuhören auf meinem Muxtape: Strandparty

1: Peter Licht – Wettentspannen

2: Beach Boys – Surfin‘ USA

3: Die Crackers – Klassenfahrt zum Titisee

4: Plastic Bertrand – Ca plane pour moi

5: Blur – Girls & Boys

6: Dr. Motte & Westbam – Sunshine

7: The Charlatans – The only one I know

8: Marky Mark & The funky Bunch – Good Vibrations

9: Ash – Kung Fu

10: Nancy Sinatra & Lee Hazlewood – Summer Wine

11: Travis – Why does it always rain on me

Konichiwa Bitches

11. April 2008

Wo wir schon grad schon bei hautengem Glitzerfummel sind – was macht man, wenn die 90er Jahre „Karriere“ als mittelmäßige R’n’B-Eurodance-Schnulzen Sängerin schon lange lange vorbei is, man nichts anderes vorzuweisen hat, als dass man aus Schweden kommen, nichts anderes kann als verhältnismäßig gut aussehen und irgendwie wieder zurück ins ‚Biz‘ will? Genau, man ändert seinen Musikstil dem derzeitigen Trend entsprechend, macht einen auf Uffie, Yelle und wie sie alle heissen und übernimmt deren Videostyle gleich mit – so wie Robyn. Ist wohl einfacher als sich nochmal komplett neu zu definieren.

Das Schlimme is nur, dass a) das Video (auch wenn nicht gerade eines ihren neuesten aber dennoch besten) sogar recht nett gemacht is, b) die Musik hier zwar solalala und ansonsten stark poppig, doch ansprechend ist und c) ich diese Frau aus irgendeinem Grund (ok, naturally – Schwedin…) verdammt heiß finde. Ich hoffe nur, dass nicht irgendwelche längst vergessenen deutschen Dancefloor Acts auf die gleiche Idee kommen – die sehen jetzt, 10 Jahre später, garantiert nicht mehr so knackig aus…

Herzensangelegenheit

7. März 2008

Ja, ich glaube es ist mal wieder an der Zeit. Zeit für einen neuen Artikel und Zeit ein weiteres Mal dem deutschen HipHop hinterherzutrauern. Mann, was war das doch für eine unglaublich entspannter, sorgenfreier und verdammt aufregender Lebensabschnitt. Damals: 1999 – 2001, 10. – 12. Klasse, 15 – 17 Jahre, Hardcore-Abstinenzler – schlimmer Wodka-Lemon Junk, Jungfräulichkeit – Guten-Morgen-Sex, völlige Planlosigkeit – halbwegs-Lebensentwurf. Und immer im Hinterkopf bzw. in den Nebenohrhöhlen: guter deutscher HipHop. Relaxte Beats, Texte die noch Geschichten erzählt haben, Spaß statt Überheblichkeit, Weed statt Koks, „Auf die Bühnen der Jugendzentren und Dorfdiskos bring ich Dirty Dancing und postpubertären Zwangsvulgarismus.“ statt “ Deutsche Mucke ist das Gift und ihr seid gegen uns, weil ich den längsten hab und weil ich damit jeden bums.“.

Ich bin damals gerade von einem dreijährigen Aufenthalt in den USA nach Deutschland zurückgekehrt und war geprägt von amerikanischem Indie und britischem Rock – Oasis, Everclear, Bush, Harvey Danger und dergleichen – was eben in den Staaten gerade so angesagt war. Von HipHop und Rap hatte ich zu diesem Zeitpunkt wenig bis keine Ahnung, auch weil es drüben eben Mitte der Neunziger nichts gab was mich wirklich angesprochen hat: Dre hab ich nicht so wirklich wahrgenommen, Puff Daddy und Gefolge hab ich erfolgreich ignoriert, an Wu-Tang kann ich bis heute nich ran, Gangstarr, The Roots, Mos Def und Konsorten hab ich erst später entdeckt, in die alten Tupac und Biggie Sachen hör ich mich gerade rein. Ich war sozusagen noch unbefleckt.

Zwar hörte ich auch hier weiterhin zu 80% Rock, Punk, und Indie, entdeckte aber vermehrt die deutsche Szene, hauptsächlich bestehend aus der Hamburger Schule – Tocotronic, Blumfeld, Tomte etc. – und Bands wie Readymade, Angelika Express, Sportfreunde Stiller oder The Notwist. Ich hatte gelernt mich soweit wie möglich von deutschem Radio fernzuhalten, kaufte noch CDs und schaute Viva Zwei. Letzterem, mit anderen Worten, dem besten jemals existiert habendem Fernsehsender (aber das ist ein ganz anderes Kapitel…) verdanke ich dann auch meine ersten Gehversuche auf dem Gebiet des deutschen Sprechgesangs. Denn neben ‚Song 2‘, ‚Let Me In‘ und ‚Bleed American‘ rotierten hier eben auch die Videos von ‚Hand auf’s Herz‘, ‚Reimemonster‘, ‚Hammerhart‘ und ‚Fensterplatz‘. Zusätzlich kam hinzu, dass die Clique mit der ich damals noch abgehangen hab nunmal aus Skatern und Kiffern bestand, der Kontakt mehr oder weniger unumgänglich war.

Wie auch immer. Mit eben genannten Songs wären wir eigentlich auch schon bei meinen Helden der damaligen Zeit: Eins Zwo, die Mongo Klikke um die Beginner, Ferris und Dynamite Deluxe, aus Stuttgart Afrob, aus München Blumentopf. Mit Curse oder Spax, den Massiven oder Spezializtz, allem was aus Heidelberg kam oder dem damals noch im Untergrund fungierenden Kool Savas konnt ich noch nie was anfangen. Auch wenn ich den Text zu ‚Pimp Legionär‘ immernoch fast auswendig kann und seine Crew M.O.R. doch den ein oder anderen wirklich guten Titel hatte. Später kamen jedenfalls noch Tefla & Jaleel, RAG, Nico Suave, Creutzfeldt & Jakob und ab und an Azad dazu.

Damals war es scheinbar in jeder zweiten Stadt Deutschlands möglich smoove Beats mit intelligenten Texten zu kombinieren, sodass man sogar mit Recht behaupten konnte, die deutsche Szene hatte einen eigenen Stil entwickelt, ein Art Gegenpol zum amerikanischen Gangsta und Bling Rap als auch eine gewisse Abgrenzung zum rauhen, harten (NTM) bis wahnsinnig flowendem (IAM) Sound der aus Frankreich dröhnte. Die Künstler haben ihre Musik ernst genommen, aber nie zu ernst. Klar wollten auch jeder von seinem Hobby leben können, trotzdem hatte man immer das Gefühl, dass Profit erstmal nebensächlich war und der Spaß im Vordergrund stand. Klar wurde auch hier und da gedisst – man erinnere sich nur an die Sticheleien zwischen Samy und Azad oder MC Rene und… ja, jedem eigentlich – aber es gab Collabos en masse und es herrschte generell ein freundlicher Umgangston. Das Splash! war noch eine Familienangelegenheit und fest in deutscher Hand. Zu den Konzerten kamen Jungs in ranzigen Jeans, Eimsbush Hoodies und ausgelatschen Etnies, Emericas oder DCs.

Und dann kam irgendwann, relativ plötzlich und warum auch immer, der Bruch. Eingeleitet von dem meiner Meinung nach letzten wirklich herausragendem Album dieser Zeit ‚Deluxe Soundsystem‘ von Dynamite Deluxe. Weder Blumentopf mit ‚Eins A‘ noch Eins Zwo mit ‚Zwo‘ kamen an ihre jeweilgen Vorgänger ran. Die Beginner versuchten es zwei Jahre später nochmal mit ‚Blast Action Heroes‘ gingen aber musikalisch schon ganz andere, kommerziellere Wege. Viele andere konnten ihren selbst gesetzten Standards nicht mehr gerecht werden, verschwanden in der Versenkung, lösten sich auf oder versuchten mehr oder weniger erfolglose Stilwechsel.

Klar gibt es viele der damaligen Künstler noch, is ja nich so dass die alle auf einmal entschieden haben alles an den Nagel zu hängen. Aber schaut euch das doch mal an! Blumentopf entwickelt sich seit Jahren nicht mehr weiter, die Beginner haben sich scheinbar vollends dem Pop verschrieben und Samy schiebt Doppelkinn und Wampe vor sich her und macht einen auf Gangster. Wobei er dabei bei weitem nich der einzige ist, schaut nur mal bei MySpace was aus Mr. Schnabel geworden ist… Der Rest werkelt entweder wieder im Untergrund mit wackeligen Videos und schlechter Promo oder hat die Zeichen der Zeit erkannt und aufgegeben. Leute wie die Fantas, D-Flame und Fettes Brot hat eh noch nie jemand ernst genommen. Potenzielle Nachfolger wie Deichkind oder Clueso gingen sehr schnell andere Wege.

Und dann kams ganz dicke. Aggro Berlin erlebte einen kometenhaften Aufstieg. Bushido, Sido und B-Tight warfen mit expliziten Texten nur so um sich. Leute wie Azad und Kool Savas gaben sich dieser Art des Raps nun auch vollends hin. Raptile und Eko wollten einen auf dicke (amerikanische) Hose machen. Das Unvermeidbare nahm seinen Lauf, jetzt bestimmt Berlin das Geschehen und wir haben Fler, Massiv, Baba Saad und Konsorten an der Backe. Von Frauenarzt oder King Orgasmus red ich erst gar nicht. Obwohl ich bis heute bei ersterem nicht sicher bin, ob das nicht alles nur eine sehr gut inszenierte Show ist und er sich insgeheim ständig ins Fäustchen lacht.

Warum verdammte Scheiße ist das so?! Klar, das Angebot bestimmt die Nachfrage. Ich nehm es daher der heutigen ‚Jugend‘ auch nicht übel das sie sich in XXXL Shirts, New Era Caps, Edel Nike Sneakers und Goldketten wirft um ihren Vorbildern nachzueifern. Es gibt ja nix anderes! Wenn man eben damit aufwächst. Was man nicht kennt vermisst man nicht. Bezeichnend ist doch wie wenig Aufmerksamkeit Dendemann’s ‚Pfütze des Eisbergs‘ vor anderthalb Jahren geschenkt wurde. Endlich mal wieder ausgefeilte, intelligente Texte. Aber das interessiert die Kiddies heute nich mehr. Die wollen Zeilen à la „ich hab den größten“, „ich fick deine mudder“ und „fuffies im club“ und nix anderes.

Trotzdem frag ich mich warum die Hochzeit des deutschen HipHops so abrupt zu einem Ende kam. Lag es einfach daran dass „alten Idolen die Ideen ausgingen“? Hatten die alle einfach keinen Bock mehr auf diesen ‚Stil‘? War er nicht mehr lukrativ genug, so dass man einfach neue Wege gehen musste? Oder: War es einfach Zeit?

Egal wie, es ist einfach verdammt schade wenn man sich mit raptechnischer Diätkost zufrieden geben muss, wenn man weiß, dass in diesem Land schonmal Sterneküche zubereitet wurde. Auch wenn ich so diese Musik speziell auf ewig mit einem besonders wichtigen, wertvollen und erinnerungswürdigen Lebensabschnitt verbinden und darin schwelgen kann…

D.I.S.C.O.

17. Februar 2008

Das ist eigentlich ein alter Text, aber weil an anderer Stelle in den Kommentaren mal wieder vergangenen Zeiten hinterhergetrauert wird (ich schau in Deine Richtung, kidyeah 🙂 ), und auch ein gewisser Musikbezug gegeben ist, an dieser Stelle nochmal quasi mein erster Ausflug in’s Zauberland „Diskothek“.

Mein erster Discobesuch war eigentlich kein richtiger. Mit 13 kommt man nämlich in „richtige“ Discos nicht rein. Der Kinderszeneschuppen Abaco war noch ein paar Monate ausser Reichweite, das Galaxis war uns zu erwachsen und vor der Ziegelei, der größten Großraumdisco oder der größte Technoschuppen S-Hs oder was auch immer hatten wir viel zu viel Respekt. Das hat sich zwar kurze Zeit später alles erledigt, aber jetzt noch nicht. Jetzt waren unsere Alternative kirchlich organisierte Kinderdiscos. Das Platzangebot dort war reichlich, wir konnten auf der Tanzfläche mit einem Tennisball bisschen rumkicken, denn ausser uns waren in der Regel nur noch eine Handvoll anderer Heranwachsender anwesend.

Wer waren eigentlich wir? Naja, mein Plan, eine noch coolere Clique als die meines Bruders zu schaffen, nahm Form an. An diesem Abend waren wir zu dritt. Jan, einige Jahre mein bester Freund, ein hochgewachsener, blonder Junge und Traum einiger Mädchen. Und Alexandra… in sie war ich jahrelang verliebt. So richtig. Das hat angefangen, als ich 12 war und endete erst viele, viele, wirklich viele Jahre später. Auch heute denke ich noch einige male an sie. Sie war ein halbes Jahr älter als ich (ihren Geburtstag weiss ich heute noch), genau so alt wie Jan und in jeder Hinsicht perfekt. Und sie hing mit mir rum. Gut, hin und wieder lief was zwischen ihr und Jan, welches eigene Einträge wert ist, aber im Grunde waren wir eine Dreiergruppe. Auch, wie wir uns kennengelernt haben, muss eines Tages erzählt werden. Wie auch immer.

Jedenfalls, dieser Abend war dann doch etwas anders, weswegen ich ihn als ersten Discobesuch gelten lassen kann, auch wenn ich im ersten Satz sage, dass es keiner war. Aber er war weit näher dran als diese Kirchenspackenveranstaltungen. Es war nämlich brechend voll.
Ausgerichtet wurde diese Festivilität von der allseits bekannten Krankenkasse AOK, die ihre reichlichen Beiträge darauf verwendet, Jugendliche behutsam, aber bestimmt in die Welt der Coolness einzuführen, wobei sie natürlich ihren Namen in unsere unausgebildeten Neurostrukturen einbrennen will. Konsequenterweise gab es natürlich kein Alkohol, oder doch? Das weiss ich garnicht mehr. Wahrscheinlich ’n Sixer von der Tanke.

Aus irgendeinem mir unverständlichem Grund war diese Veranstaltung tatsächlich ein Happening, zu dem alle wollten. Schon in der Schule wurde sich verabredet, alle wollten sie kommen. Dabei ist Lübeck nicht klein, und wir waren Suburb-Kinder, die noch extra in die Stadt fahren mussten. Jedenfalls, am Einlass gab es Stempel (STEMPEL!! woohoo!!) auf die Hand und wir durften rein. Jetzt waren wir wer. So, moment of the evening war, dass ich ja in Begleitung des schönsten Geschöpfes der Erde hereinmarschiert bin, ich, der vorher mit Mädchen nicht wirklich viel am Hut hatte! Neidische Blicke meiner Klassenkameraden, die Frage, ob das meine Schwester sei, was ich mit einem diabolischen Grinsen verneinen konnte, nein, eine Freundin ist sie.

Der Abend bestand im Wesentlichen aus 3 Teilen. Dem Vorgeplänkel, also der Unwohlfühlphase bei Discobesuchen, bei der man sich orientiert und ein wenig zur Chartmusik mit dem Fuss wippelt. Ätzend.
Teil 2 dann der Auftritt der Liveband. Jan und ich haben schon vorher abgemacht, die Band auf jeden Fall scheisse zu finden, egal was da kommt. Was war das überhaupt für ein Konzept? Eine AOK-Disco für Jugendliche von 12-17 mit einer Liveband irgendwann mittendrin und ansonsten Cola. Und vor allem, warum war das jetzt so ein Ereignis, zu dem wir alle wollten? Aus heutiger Sicht unerklärlich.
Die Band nannte sich Gizmolotion, ein Begriff, der bei Google genau 0 Treffer ergibt, Jan und ich hatten also recht. Dabei waren die rein objektiv glaube ich garnicht schlecht. Das war so ein Crossover-Ding, wie es dank den H-Blockx gerade ziemlich in war. Oder kamen die erst im Sommer drauf? Wie auch immer, jedenfalls lange bevor man das ganze Nu Metal nannte und bevor mir das auf den Sack ging. Sie hatten sogar ein DJ-Set, so dass wir schon vor ihrem Auftritt lustige Beatbox- und Scratchpersiflagen performt haben. Gizmolotion, Gizmolotion, Giz Giz Gizmolotion, hehe. Die hatten auch so Plüschklamotten an und kamen auf Steckenpferden auf die Bühne, also Mühe haben sie sich schon gegeben. Aber mach das mal mit Jugendlichen, die alles scheisse finden müssen, um sich selbst zu finden. Den enttäuschten Blick des Sängers, der aussah wie Ali G., habe ich heute noch im Kopf. Und tschüss, ihr Rapwichser! Ihr wollt Ghetto, könnt ihr haben, Schluss mit Kaspermucke.

Teil 3 war dann Scooter. Immer und immer wieder. Denn es war definitv ihr Sommer, Stichwort Hyper Hyper. Overhyped and underskilled, aber wir fanden das dermaßen geil und wurden extrem geflashed von diesem Technoohrwurm. Ha! Da fällt mir ein, warum wir alle hinwollten! Angekündigt war ne Lasershow, die wir alle nur vom Henry Maske kannten, die gab es immer vor seinen Kämpfen. Und jetzt halt zu Scooter, bzw. zum DJ, der das in Schleife spielen musste, denn wir brüllten danach. Besonders Annika, die immer wieder nach vorne zum Pult ging um nach Scooter zu fragen.

Annika war eine sehr hübsche Klassenkameradin von mir, aber auch eine ziemliche Schlampe. Sie hatte sich auch kurz darauf von ihrem Freund auf dessen Motorhaube entjungfern lassen und war da auch irgendwie stolz drauf. Also in Gesprächen fand ich das immer billig, aber in meinen Träumen war ich natürlich lumpig wie Spitz und neidisch auf den Glücklichen. Egal.
Von Alexandra kann ich leider nicht viel erzählen, wir haben versucht ein wenig zu tanzen, aber da war kein Rhythmus zwischen uns beiden. Eher zwischen ihr und Jan.

The Real Deal

13. Februar 2008

Ich LIEBE 2Pac. Das ist mal echte Ghettomusik. Im Sinne von Hip Hop natürlich. Es gibt zwei Tracks, die mir besonders am Herz liegen, weil ich mit 12 die Zeit meines Lebens hatte, wo ich unbedingt sein wollte wie die ganzen coolen (schwarzen) Rapper. Oh ja, ich wollte schwarz sein. Und bevor ich es vergesse, außerdem wollte ich schon immer ein Junge sein, das hat auch erst kürzlich aufgehört, als mir aufgefallen ist, das Männer sowas wie Vorhaut haben und ich lieber dafür monatlich blute.

Anyway. Ich mag 2Pac ja. Ich mag Biggie nicht, der ist irgendwie fett und nervig und nicht cool gewesen (auch wenn ich mittlerweile alt genug bin, um die Künste hinter seinen Tracks zu erkennen und zu aktzeptieren, wenn auch unter viel Leid und Qualen). Also, mit 12 entdeckte ich Westside und so weiter und so fort und hab dann auch nur noch Baggy-Klamotten angezogen und sah aus wie Lil‘ Kim als Typ verkleidet in weiß und post-pubertär mit arabischem Flair.

Also eigentlich sah ich überhaupt nicht aus wie Lil‘ Kim.

Kommen wir zum Punkt. 2Pac ist cool. Und diese zwei Tracks sind fett und haben gerade einen re-entry in meinen aktuellen Playlisten geschafft. Let’s roll!

Das war Hit Em Up. Der beste Track, ungefähr. Diss die Fetten! Naja, der andere ist California Love, aber da ist das Video echt unter aller Sau beschissen, find ich. Ist halt nicht Kanye West, nech.

Da fällt mir ein, ich höre heute immer noch lieber das Zeug von der Westcoast als von der Eastcoast. So Fatzken wie P-Diddy-Puff-Daddy kann ich überhaupt nicht, da muss ich immer ein bisschen in meinem Mund rumkotzen. Dann dreitausendundzwei Mal lieber Dre und den nervigen, strohigen Snoop Dogg, der seit neuestem auch Musik mit britischen Boybands macht (zu was einen das Geld wohl noch so zwingen mag, hm!). Obwohl ich ja New York lieber mag als L.A… dafür finde ich aber, dass San Francisco (wohlbekannt als die Hochburg des schwarzen Hip Hop… ha. ha.) ungefähr die schönste Stadt in ganz Amerika ist. Jedenfalls die schönste, die ich gesehen habe. In Amerika. Nordamerika. In den Vereinigten Staaten.

Möp. Muss schlafen gehen.

Like A Virgin

27. Januar 2008

Vor ungefähr einem Jahr war ich auf einer 80’s Party mit einer Freundin, die ihre Zeit hauptsächlich damit verbringt, zu saufen und assi zu sein. Der Abend war richtig lustig, ich war total betrunken und trotz kitschiger achtziger Jahre Mukke hat’s echt Spaß gemacht.

Daran musste ich heute denken, als ich im Auto saß und tatsächlich freiwillig meine 80’s Playlist anschmiss, um dann laut zu Madonna’s „Holiday“ mitzugröhlen. Wenn ich ein Kerl wäre, hätte ich wohl ab jetzt schlechte Aussichten auf funktionierende Mann-Frau-Beziehungen, aber peinlich ist es irgendwo trotzdem- zumindest wenn man sich mit Menschen abgeben muss, die einen anblicken, als würde man in der Vergangenheit leben. Und bis vor einem Jahr hätte ich selbst noch so gedacht, aber meine Asi-Freundin hat mich bekehren können. Die Liebe zu gutem englischen Punk bestand schon immer, The Clash- oh mein Gott, THE CLASH, aber an achtziger Jahre Disse-Musik wollte ich mich bis jetzt eigentlich nicht herantasten.

Und damit habe ich anscheinend ein großes Stück Kultur verpasst, dass ich jetzt gerne nachhole. The Cure! Gibt es denn ein cooleres (und ich meine COOLERES) Lied als „Lullaby“? Ja ja, die Frisuren waren echt eine Zumutung, aber gerade geht mit mir echt der 80’s Revival durch, selbst was die Klamotten angeht (Hallo Fasching, ich komme!), die man in einzelnen Stücken auch gut mit der heutigen Mode kombinieren kann…

Zurück zur Musik: Ich bin es leid, ständig so zu tun, als wäre es das wichtigste, immer nur die angesagteste, hippeste Musik zu hören! Es gibt so viele gute Sachen, die in der Vergangenheit liegen, und es ist gut, wenn man sich mal darauf einlässt. Das es nicht jedermann’s Sache ist, schon klar, und anscheinend war ich noch nicht auf genug 80’s Partys, damit es mir aus dem Hals raushängt wie vielen anderen, aber es macht Spaß, mal einfach nur Tanzmusik zu hören, die nicht komplett aus Synth-Britney-Rotz besteht und nicht ausschließlich von Timbaland produziert wird.

Und jetzt, meine persönliche Nummer eins der 80’s „Ich bin ein Ohrwurm, holt mich hier raus!“ Tracks: „Straight Up“ von Paula Abdul!