Dänische Delikatessen

2. Februar 2008

Ich seh schon, wenn ich hier nich die Feder zücke läuft hier mal gaaar nix 😉 Also gut, da ich ja gerade nen halbes Jahr Kopenhagen hinter mir hab, dacht ich, bring ich mal die dort kennengelernte – und auch teilweise schon vorher gekannte – dänische Musikszene dem deutschen Gaumen etwas näher. Gut, selbige hat mit Bands wie Aqua oder Junior Senior (auch wenn das Video verdammt lustig is) eigentlich unverzeihliche Popverbrechen zu verantworten, aber das sollten die kommenden Damen und Herren der Schöpfung um Längen wieder wett machen. Hier also eine Auswahl sehr hörenswerter skandinavischer Zeitgenossen – diesmal gibt’s nur YouTube Links, die Homepages bzw. MySapce Seiten müsst ihr euch diesmal selber zusammenkratzen – und ab dafür (Sternchen sind Prädikat ‚Besonders Hicer Shice‘):

Trentemøller* (Electro/Minimal) – War mir als einer von vier hier genannten Acts schon vor meinem Trip bekannt. Schon seit Jahren eine Institution im Electro / House / Minimal Bereich, eigentlich ist es müssig über ihn Worte zu verlieren: ausverkaufte Clubs überall auf der Welt, Remixe für die ganzen Großen (Röyksopp etc.) und live der absolute Hammer – hab ich schon zweimal genießen dürfen. Und trotz all dem exklusiv-komplexen Sound, den dieser Mann so auffährt, doch relativ massenkompatibel.

Kasper Bjørke* (Electro/Remix) –Rein musikalisch gesehen sowas wie der kleine Bruder bzw. Ziehson von oben genanntem Herrn. Die beiden legen auch öfter gemeinsam auf, wobei Bjørke meist für den etwas härteren, housigeren, tanzbareren Sound zuständig ist. International trotz zahlreicher sehr guter Remixe, aber noch ein relativ unbeschriebenes Blatt.

Fagget Fairys (Electro/Grime) – Gewöhnungsbedürftig aber mit der Zeit doch sehr spannend zu lauschen. Die zwei Ladies haben in Kopenhagen und New York schon so manche heiße Party geschmissen, wenn auch nicht in den großen Clubs sondern eher kleinen Bars. Da passen sie allerdings auch besser hin.

Tiger Baby* (Electro/Pop) – Sehr schöner, eingängiger Bubblegum-Electro-Pop mit einer umwerfenden Frontfrau inklusive Hammerstimme vorne dran. Aus irgendeinem Grund sind die in Indonesien ganz groß und spielen dort in ausverkauften Hallen. Auch live sehr empfehlenswert, bei solch sanft ins Mikro gehauchten Klängen suchst du automatisch nach einer Hand die du halten kannst.

JaConfetti* (Pop) – Nicht zu verwechseln mit dem Berliner Trio Jahcoozi, welches vom Musikstil in ganz ähnliche Breschen schlägt. Mir fällt es schwer diese Musik in ein bestimmtes Genre zu zwängen bzw. sie passend zu umschreiben. Gut gelaunt und ein wenig durchgeknallt ist sie auf jeden Fall. Elektronisch angehaucht, aber eben auch nur ein wenig. Pop, 80er was weiß ich. Am besten selber reinziehen, lohnt sich.

Efterklang (PostPop/Shoegazer) – Sehr sphärischer, oft an Sigur Rós erinnernder Sound. In Dänemark ebenso wie ihre isländischen Pendants immer ganz schnell ausverkauft. Zum Seele baumeln lassen.

Alphabeat (Pop/Rock) – Lustige, energiegeladene Combo, die zwar doch sehr poppig klingenden Rock macht, sich dabei aber selber nicht allzu ernst nimmt. Die Stimme der Frontfrau klingt sehr nach Country und auch wenn mich der Name ständig an Alphaville und Alphawezen erinnert sind sie doch meilenweit von diesen Bands entfernt.

Kashmir (Rock/Pop) – Zweite mir schon seit längerem bekannte Gruppe. Ruhiger, oft verträumter Rock mit schönen Texten. Manchmal wie z.B. eben im Video bei ‚Kalifornia‘ kanns aber auch ein bisschen schneller/härter zur Sache gehen, wenn auch nich viel. Sowas wie die Urgesteine des dänischen Rock, immerhin schon 17 Jahre im Business…

Mew* (Rock/ArtRock) – Dritte Band, die ich nun mittlerweile schon seit sechs Jahren zu meinen absoluten Favorites zählen kann: ‚Snow Brigade‘ führt seit ich einen Mac besitze unangefochten die ewige Bestenliste meiner iTunes Bibliothek an. Wunderwunderschöner Rock mit ein bisschen Klassik, ein bisschen Glam und einer für so manchen etwas gewöhnungsbedürftigen hohen Stimme des Leadsängers. Absolute Hymnen: ‚Shespier‘, ‚Am I Wry No‘ und natürlich ‚Comforting Sounds‘, aber bitte die 9 Minuten Version und nicht dieses für MTV auf 3,5 zusammengeschrumpfte Ding.

Spleen United (Rock/PopRock) – Sehr wandlungsfähige Band, die von elektronisch angehauchtem PopRock mit schwülstigen Texten bis hin zu anfangs leicht verstörendem Krach alles drauf hat. Hauptsache Synthesizer sind drin.

The Fashion* (Rock/Indie) – Sehr zu empfehlendes, schnelles und trotzdem melodisches Indie-Geschredder mit ständig nervös zuckender Besetzung und einem charismatischen Frontmann. Äußerst sympathische, auf dem Boden geliebende Jungs mit stetig wachsender Fangemeinde. Live eine absolut schweißtreibende Angelegenheit. Aber auch die Videos sind nicht von Pappe – als Beweis, eines gleich hier im Blog. Album kaufen los!

Figurines (Rock/Indie) – Manchmal Britpop-schrabbelig, manchmal Gypsie-folklorig. Manchmal langsam und traurig, dann wieder schnell und happy happy. Aber immer mit zittrig bebendem, etwas in Schräglage geratenem Gesang.

The Floor Is Made Of Lava (Rock/Indie) – Selbst in ihrem Heimatland noch ziemliche Newcomer, legen die Mitglieder dieser Indie-Schrammel-Band auch gerne mal Electro in den Clubs der Hauptstadt auf.

Carpark North* (Rock) – Vierter und letzter Botschafter dänischer Musik vor meiner Zeit dort. Hatten mit ‚Human‘ mal sowas wie ein europaweites One-Hit-Wonder. Mittlerweile etwas in der Versenkung verschwundene Band mit griffigem, ‚traditionellem‘ Rock.

Tomboy (GlamPop) – da sag ich ausser, dass er (allerdings unter anderem Namen und mit anderer Musik im Gepäck) öfter mal in meinem Lieblingsclub aufgelegt hat, mal nix dazu… Surprise Surprise

Abschließend bleibt noch zu sagen, dass die Dänische Musikszene eigentlich Kopenhagener Musikszene bedeutet und es da nicht ungewöhnlich ist, dass man einer der JaConfetti Sängerinnen beim Shoppen begegnet, die halbe Tiger Baby Besetzung wörtlich genommen um die Ecke wohnt oder auch mal beim Mittagessen in der Kneipe getroffen wird, oder man Abends auf einmal zwei Mitglieder von Aqua neben sich in der Bar sitzen hat. Alles schon passiert.