D.I.S.C.O.

17. Februar 2008

Das ist eigentlich ein alter Text, aber weil an anderer Stelle in den Kommentaren mal wieder vergangenen Zeiten hinterhergetrauert wird (ich schau in Deine Richtung, kidyeah 🙂 ), und auch ein gewisser Musikbezug gegeben ist, an dieser Stelle nochmal quasi mein erster Ausflug in’s Zauberland „Diskothek“.

Mein erster Discobesuch war eigentlich kein richtiger. Mit 13 kommt man nĂ€mlich in „richtige“ Discos nicht rein. Der Kinderszeneschuppen Abaco war noch ein paar Monate ausser Reichweite, das Galaxis war uns zu erwachsen und vor der Ziegelei, der grĂ¶ĂŸten Großraumdisco oder der grĂ¶ĂŸte Technoschuppen S-Hs oder was auch immer hatten wir viel zu viel Respekt. Das hat sich zwar kurze Zeit spĂ€ter alles erledigt, aber jetzt noch nicht. Jetzt waren unsere Alternative kirchlich organisierte Kinderdiscos. Das Platzangebot dort war reichlich, wir konnten auf der TanzflĂ€che mit einem Tennisball bisschen rumkicken, denn ausser uns waren in der Regel nur noch eine Handvoll anderer Heranwachsender anwesend.

Wer waren eigentlich wir? Naja, mein Plan, eine noch coolere Clique als die meines Bruders zu schaffen, nahm Form an. An diesem Abend waren wir zu dritt. Jan, einige Jahre mein bester Freund, ein hochgewachsener, blonder Junge und Traum einiger MĂ€dchen. Und Alexandra… in sie war ich jahrelang verliebt. So richtig. Das hat angefangen, als ich 12 war und endete erst viele, viele, wirklich viele Jahre spĂ€ter. Auch heute denke ich noch einige male an sie. Sie war ein halbes Jahr Ă€lter als ich (ihren Geburtstag weiss ich heute noch), genau so alt wie Jan und in jeder Hinsicht perfekt. Und sie hing mit mir rum. Gut, hin und wieder lief was zwischen ihr und Jan, welches eigene EintrĂ€ge wert ist, aber im Grunde waren wir eine Dreiergruppe. Auch, wie wir uns kennengelernt haben, muss eines Tages erzĂ€hlt werden. Wie auch immer.

Jedenfalls, dieser Abend war dann doch etwas anders, weswegen ich ihn als ersten Discobesuch gelten lassen kann, auch wenn ich im ersten Satz sage, dass es keiner war. Aber er war weit nÀher dran als diese Kirchenspackenveranstaltungen. Es war nÀmlich brechend voll.
Ausgerichtet wurde diese FestivilitĂ€t von der allseits bekannten Krankenkasse AOK, die ihre reichlichen BeitrĂ€ge darauf verwendet, Jugendliche behutsam, aber bestimmt in die Welt der Coolness einzufĂŒhren, wobei sie natĂŒrlich ihren Namen in unsere unausgebildeten Neurostrukturen einbrennen will. Konsequenterweise gab es natĂŒrlich kein Alkohol, oder doch? Das weiss ich garnicht mehr. Wahrscheinlich ’n Sixer von der Tanke.

Aus irgendeinem mir unverstĂ€ndlichem Grund war diese Veranstaltung tatsĂ€chlich ein Happening, zu dem alle wollten. Schon in der Schule wurde sich verabredet, alle wollten sie kommen. Dabei ist LĂŒbeck nicht klein, und wir waren Suburb-Kinder, die noch extra in die Stadt fahren mussten. Jedenfalls, am Einlass gab es Stempel (STEMPEL!! woohoo!!) auf die Hand und wir durften rein. Jetzt waren wir wer. So, moment of the evening war, dass ich ja in Begleitung des schönsten Geschöpfes der Erde hereinmarschiert bin, ich, der vorher mit MĂ€dchen nicht wirklich viel am Hut hatte! Neidische Blicke meiner Klassenkameraden, die Frage, ob das meine Schwester sei, was ich mit einem diabolischen Grinsen verneinen konnte, nein, eine Freundin ist sie.

Der Abend bestand im Wesentlichen aus 3 Teilen. Dem VorgeplĂ€nkel, also der UnwohlfĂŒhlphase bei Discobesuchen, bei der man sich orientiert und ein wenig zur Chartmusik mit dem Fuss wippelt. Ätzend.
Teil 2 dann der Auftritt der Liveband. Jan und ich haben schon vorher abgemacht, die Band auf jeden Fall scheisse zu finden, egal was da kommt. Was war das ĂŒberhaupt fĂŒr ein Konzept? Eine AOK-Disco fĂŒr Jugendliche von 12-17 mit einer Liveband irgendwann mittendrin und ansonsten Cola. Und vor allem, warum war das jetzt so ein Ereignis, zu dem wir alle wollten? Aus heutiger Sicht unerklĂ€rlich.
Die Band nannte sich Gizmolotion, ein Begriff, der bei Google genau 0 Treffer ergibt, Jan und ich hatten also recht. Dabei waren die rein objektiv glaube ich garnicht schlecht. Das war so ein Crossover-Ding, wie es dank den H-Blockx gerade ziemlich in war. Oder kamen die erst im Sommer drauf? Wie auch immer, jedenfalls lange bevor man das ganze Nu Metal nannte und bevor mir das auf den Sack ging. Sie hatten sogar ein DJ-Set, so dass wir schon vor ihrem Auftritt lustige Beatbox- und Scratchpersiflagen performt haben. Gizmolotion, Gizmolotion, Giz Giz Gizmolotion, hehe. Die hatten auch so PlĂŒschklamotten an und kamen auf Steckenpferden auf die BĂŒhne, also MĂŒhe haben sie sich schon gegeben. Aber mach das mal mit Jugendlichen, die alles scheisse finden mĂŒssen, um sich selbst zu finden. Den enttĂ€uschten Blick des SĂ€ngers, der aussah wie Ali G., habe ich heute noch im Kopf. Und tschĂŒss, ihr Rapwichser! Ihr wollt Ghetto, könnt ihr haben, Schluss mit Kaspermucke.

Teil 3 war dann Scooter. Immer und immer wieder. Denn es war definitv ihr Sommer, Stichwort Hyper Hyper. Overhyped and underskilled, aber wir fanden das dermaßen geil und wurden extrem geflashed von diesem Technoohrwurm. Ha! Da fĂ€llt mir ein, warum wir alle hinwollten! AngekĂŒndigt war ne Lasershow, die wir alle nur vom Henry Maske kannten, die gab es immer vor seinen KĂ€mpfen. Und jetzt halt zu Scooter, bzw. zum DJ, der das in Schleife spielen musste, denn wir brĂŒllten danach. Besonders Annika, die immer wieder nach vorne zum Pult ging um nach Scooter zu fragen.

Annika war eine sehr hĂŒbsche Klassenkameradin von mir, aber auch eine ziemliche Schlampe. Sie hatte sich auch kurz darauf von ihrem Freund auf dessen Motorhaube entjungfern lassen und war da auch irgendwie stolz drauf. Also in GesprĂ€chen fand ich das immer billig, aber in meinen TrĂ€umen war ich natĂŒrlich lumpig wie Spitz und neidisch auf den GlĂŒcklichen. Egal.
Von Alexandra kann ich leider nicht viel erzÀhlen, wir haben versucht ein wenig zu tanzen, aber da war kein Rhythmus zwischen uns beiden. Eher zwischen ihr und Jan.

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