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8. Juli 2009

Fuck, die Abstände werden erschreckend groß. Drei Monate, new personal record. Nichtsdestotrotz wollte ich mal wieder Laut geben und ein – diesmal etwas größeres – Konsortium aktueller Playlist Helden vorstellen. Aufgrund der großen Zeitspanne beläuft sich die Anzahl der neuen Favorites auf sagenhafte, exorbitante, intergalaktische 17 Acts. Hehe. Wer weiß, vielleicht kennt ihr auch schon wieder die Hälfte, aber wenn ihr nach dem Artikel auch nur eine halbe neue Lieblingsband habt, dann hat es sich doch schon sowas von gelohnt.

Bei so einem Wust von Namen und Links werd ich mich diesmal enorm kurz fassen,. Ihr kriegt den Link, das Genre, ein ‚klingt wie‘, einen Satz, das gerade in meiner Playlist laufende Album/EP (wenn noch nix vorhanden,  dann MySpace) und das absolute must-hear Lied. Ach genau, alles was aus Skandinavien kommt, hab ich mit nem fetten Smiley gekennzeichnet. Muss ja mal ein bissi represänten. Enjoy.

Hudson Mohawke. ELECTRONICA / GLITCH HOP. Wie ein Beat Digger der ab und zu mal E schmeißt. Läuft grad ganz groß Gefahr in kürzester Zeit von mir totgehört zu werden – 10mal am Tag reicht nich. Polyfolk Dance + 7×7. „Overnight“

🙂 Ken Ring. HIP HOP. Wie andere schwedischer Hip Hop à la Latin Kings oder Looptroop. Der Sound der ersten Alben erinnert an den des guten alten deutschen Hip Hops um die Jahrtausendwende, stammt ja auch aus der gleichen Zeit.Vägen Tilbaka. „Grabbarna Från Vörorten“

Onra. HIP HOP. Wie J Dilla, nur nicht ganz so verspielt. Nice Beats die man gut beim Arbeiten im Hintergrund laufen lassen kann. Chinoiseries. „The Anthem“

Das EFX. HIP HOP. Wie  East Coast conscious Rap im Stile von EPMD oder A Tribe Called Quest. Erstaunlich Nu Skool dafür dass es so Oldskool ist. Straight Up Sewaside + Hold It Down. „Real Hip Hop“

Bobby Birdman. ALTERNATIVE / OTHER. Wie ein Surf Hippie der mal mit Elektronik rumspielen wollte. Letzteres macht ihn wohl zu weird um jemals wie Jack Johnson über Jahre hinweg in sämtlichen deutschen Coffeebars bis zum erbrechen rauf und runter gespielt zu werden. Giraffes and Jackals. „Invisible“

Fnessnej. INDIE / EXPERIMENTAL. Wie hyperaktive 13jährige mit einem Arsenal von Kinderspielzeug. Live der absolue Hammer, die sind genauso durch, wie sie klingen. Stay Fresh, Ey. „Gewehrwolfgang“

Nosaj Thing. ELECTRONICA / HIP HOP. Wie Flying Lotus. Neckbreaking. Drift. „Light#1“

Two Door Cinema Club. INDIE / ROCK. Wie The Kooks oder Arctic Monkeys nur irgendwie… ähm… moderner? Kein Wunder, dass sich Kitsuné die innerhalb kürzester Zeit unter den Nagel gerissen hat. MySpace. „Undercover Martyn“

🙂 Captain Credible. ELECTRONICA / EXPERIMENTAL. Wie ein Weltuntergangsszenario in dem der Teufel Helium inhaliert. Einfach nur irre, mein neuer Lieblings Live Act. MySpace. „Shooting Elephants On The Serengeti“

Matt & Kim. INDIE / ROCK. Wie genau das was sie sind: Design Studenten, die keine Ahnung von Instrumenten hatten aber ne Band gründen wollten. Äußerst sympathisches Duo mit gute Laune Garantie (hab ich das wirklich grad geschrieben…?). S/T + Grand. „Daylight“

Gang Gang Dance. ALTERNATIVE / EXPERIMENTAL. Wie Animal Collective sagen viele – ich finde nicht. Manche Sachen sind absolut genial, manches geht gar nich. Saint Dymphna. „House Jam“

Clubroot. ELECTRONICA / AMBIENT. Wie Burial, nur ruhiger und nicht ganz so traurig. Whoohoo, endlich eine Alternative zum LowDub Gott! Clubroot. „Radio1 Mix“

🙂 Casiokids. ELECTRONICA. Wie das Resultat einer Affaire des Sigur Rós Frontmanns mit einem Gameboy. Klingt komisch ist aber so und ich krieg im Moment nich genug davon. MySpace. „Verdens Storste Land“

🙂 Bang Gang. ACOUSTIC / AMBIENT. Wie Liebeskummer. Irgendwie bekommen die es hin gleichzeittig kühl und behaglich warm zu klingen. Something Wrong. „Inside“

Grizzly Bear. INDIE / FOLK. Wie depressive Vororthicks aus den Südstaaten. Da muss ich inder richtigen Laune sein. Veckatimest. „Two Weeks“

Statistics. INDIE / ROCK. Wie als würden Plushgun, PlayRadioPlay! und Bright Eyes mal die Rocksäue raushängen lassen wollen. Und wenn sie das so machen würden, wie dieser Junge Mann, immer gerne. MySpace.“Final Broadcast“

+

🙂 Maria Mena. ACOUSTIC / POP. Wie Lily Allen und Kate Bush. Nur dass Misses Mena die zwei rein stimmlich mal gehörig in den Arsch fickt. Cause and Effect. „All This Time“

So, und jetzt noch fünf Videos von eben gennanten Künstlern als Appetithäppchen. Hudson Mohawke, Ken Ring, Two Door Cinema Club, Captain Credible und Casiokids.

Zwei Monate rum, es ist wieder Zeit für nen Artikel 😀

Bin ich froh, dass ich endlich Flying Lotus gefunden hab! Einer seiner Tracks war mir schon vor Ewigkeiten äußerst positiv in einem Live Set von Machinedrum aufgefallen, ich konnte mir aber nirgends in den Weiten des Internets die Setliste besorgen. Und soweit, dass ich jetzt rumgegangen wäre und allen Leuten in meiner Umgebung, die was von Musik verstehen, diese zwei Minuten vorgespielt hätte, ging die Liebe dann auch nich. Eigentlich hatte ich schon aufgegeben, bis eben vor kurzem einer meiner Kollegen die ‚Reset EP‘ von eben diesem Flying Lotus spielte. Dieser eine bestimmte Song, den ich gesucht hatte, war zwar nicht dabei, aber es klang verdächtig nach der Person die ich gesucht hatte. Lange Rede, kurzer Sinn, es stellte sich heraus, er war es und der Track ein Remix von ‚My Room Is White‘ von Mia Doi Todd. Seitdem hab ich mir so ziemlich alles besorgt, was dieser Herr aus Los Angeles produziert hat und bin hellauf begeistert. Supernice, gechillte Beats im Stile eines J Dilla. Wo mir Jay Dee manchmal ein bisschen zu technisch und verspielt ist (= innovative Beats, die aber einfach nur noch ‚weird‘ sind), trifft es Flying Lotus genau richtig. Nicht zu viel um es nicht mehr zu verstehen aber auch nicht zu wenig um langweilig zu sein. Wer es etwas HipHopiger mag sollte sich die Alben ‚July Heat‘ und das von ihm noch nichtmal richtig fertigegestllte aber schon im Internet kursierende  ‚1983‘ reinziehen. Wer es etwas technischer mag, ist mit ‚Los Angeles‘ gut bedient. Hier nun der besagte Remix, der mir einst schlaflose Nächte bereitet hat und für mich immernoch einer seiner besten Tracks überhaupt ist:

Nun was ganz anderes, und zwar Tokyo Police Club. Die vier jugen Kanadier machen schönen, happy Indie/Post Punk mit äußerst catchigen (Sidenote: ich entschuldige mich übrigens explizit dafür, dass mir anscheinend die Macht über die deutsche Sprache immer mehr zu entgleiten scheint und ich mich nur noch mit so halb-verkrüppelten Anglizismen wie diesem ausdrücken kann) Melodien. Sie klingen immer ein klein bisschen überdreht und irgendwie unter dem Zwang ihre Songs ganz schnell zu Ende spielen zu müssen, weil sie noch wo hinmüssen. Aber das macht in meinen Augen gerade den Reiz aus. Zudem finde ich, dass sie in all ihren Low Budget produzierten Videos sowas von sympathisch aussehen, dass man sie die ganze Zeit nur knuddeln will. And I am not gay. Das einzige ‚richtige‘ Album ‚Elephant Shell‘ ist fast durchgehend mit Note 1 zu bewerten, die EP ‚A Lesson In Crime‘ und die Elephant Shell Bonus Disc mit Remixen fallen dagegen ein bisschen ab. Achja und den RAC Remix von ‚Be Good‘ will ich übrigens heiraten. Hier ‚Your English Is Good‘ mit einem für meinem Geschmack etwas zu klischee-igem 8mm-der-Sommer-ist-bald-da-Juchhei Look.

Deaf Center ist eines der vielen Projekte (u.a. noch das z.zt. recht erfolgreiche ‚Svarte Greiner‘) von Erik K. Skodvin, der zufällig einer der besten Freunde meines Praktikantenkollegen Stian ist. Letzterer hat mich natürlich auch erst auf das schiefe Brett gebracht, dass die Musik ist, die dieser junge Norweger da produziert. Laut eigener Aussage ist das Genre ‚Dark Ambient‘ während er im speziellen etwas mit Streichern, Klavier und Unmengen an technischem Gerät produziert, was er ‚Acoustic Doom‘ nennt. Es zu beschreiben ist schwer, ein bisschen wie ein vollgedröhntes ‚Pure Moods‘, dass sich die Pulsadern aufschneiden will. Es ist äußerst düster, veträumt, nicht selten traurig bis schwer depressiv. Der wohl treffendste Begriff den ich bis jetzt dafür gehört hab, ist ‚Soundscaping‘. Am besten ihr hört es euch selbst an. Das Album ‚Pale Ravie‘ wird in gewissen Kreisen als eine Art Meilenstein der Musik gehandelt, ‚Neon City‘ kommt etwas elektronischer daher und den Rest hab ich leider noch nicht anhören können. Das hier ist übrigens kein offizielles Video, aber das Beste was ich finden konnte.

The Bloody Beetroots sind ja fast schon ein bisschen outdated, wenn man mal davon ausgeht, das Ed Banger und Konsorten ihre besten Zeiten wohl hinter sich haben. Trotzdem ist es gut zu sehen, dass in diesem Genre noch etwas produziert wird, was ein wenig hervorsticht aus dem, was in meinen Augen in letzter Zeit doch recht ‚einheitsbreiig‘ geworden ist. Warum genau sie in meinen Augen irgendwie anders klingen, kann ich leider auch nicht sagen, die Anleihen an Justice oder Krazy Baldhead sind ja nun wahrlich unverkennbar – vorallem der unglaubliche harte Bass. Vielleicht liegt es einfach daran, dass sie aus Italien kommen 😉 . Und auch wenn mir bei solch geballtem Hipsterism fast das Kotzen kommt, will ich unbedingt mal auf so eine Party.

So, jetzt noch ganz schnell etwas, dass ich noch zuwenig kenne um länger etwas darüber schreiben zu können. N.A.S.A. scheinen die neuen Lieblinge der amerikanischen Hipster Szene zu sein, zumindest soweit, wie eine HipHop produzierende DJ Combo das werden kann. Auf ‚The Spirit Of Apollo‘ haben sie jedenfalls ne ganze Latte ungewöhnlicher Collabos auf die Beine gestellt. Und sie haben ein Video gemacht, das bei jedem  Designer, der in derzeitige Illustrationstrends verliebt ist, multiple Orgasmen hervorrufen sollte.

P.S. Girl Talk ist live wirklich fast so gut wie ich ihn mir immer vorgestellt hab *schwärm*.

Beautiful Beats

1. November 2008

Bin seit langem mal wieder auf ein HipHop Album / Mixtape gestoßen, bei dem sich fast alle Tracks auf dem gleichen, hohen Niveau bewegen. Das Mixtape namens ‚Brooklyn’s Finest‘ ist vom italienischen Beat Producer Ceasar und vereint in jedem Song zwei der All Time Greats: Jay Z und Biggie.

Die Beats sind der Hammer, die Raps sowieso. Ich glaube, seit Jay Z’s ‚Grey Album‘ nicht mehr so kraftvolle Bässe und – wenn man das heute überhaupt noch sagen kann – innovative Samples gehört zu haben. Das Gefühl einer solch starken Kontinuität, eines durchgängigen Flows durch das gesamte Album hatte ich das letzte Mal bei Ratatat’s ‚Remixtape No. 2‘. Ceasar schafft es irgendwie, typische East Coast Beats mit einem gewissen europäischen Touch zu versehen. Absolut empfehlenswert für Fans vom einen und/oder anderen. Hätte nicht gedacht, das etwas so gutes, hiphop-iges aus Italien kommen kann 😉 .

Ich werde das Mixtape nicht online stellen – bei ganzen Alben hab ich dann doch meine Skrupel. Versucht es irgendwo anders zu bekommen. Aber hier mal ein Vorgschmack auf was euch erwartet:

Viel Zu Krass

29. April 2008

Was Ronald Jenkees da aus seinem Keyboard zaubert. Bin noch am diskutieren mit nem Kumpel ob die nerdyness gespielt oder echt ist.

Und was Greg Pattillo so auf seiner Querflöte raushaut is auch nich zu verachten.

Eigentlich ohne Worte, aber dieses Bremer Duo namens Zweigstelle oder auch ZWGST macht eigentlich ganz ‚interessantes‘ Zeug irgendwo zwischen deutschem Oldskool HipHop und Electro. Auch textlich sind die gar nich so schlecht wie es am Anfang scheinen mag, verwunderlich, dass sie noch nicht mehr Publicity genossen haben. Anyways, vorallem live würd ich die zwei äußerst gern mal sehen.

AmpLive vs. Radiohead

17. März 2008

Fragt mich nich wie ich auf einer meiner unendlichen Odysseen durchs Internet auf diese Teil gestoßen bin. Aber es is eigentlich auch wurscht. Diese 8-Track Remix Tape von dem in Oakland ansässigen DJ und Producer AmpLive ist einfach unglaublich.

Zusammengeschustert ausschließlich mit Material von Radiohead’s ‚In Rainbows‘ sowie mit Gastauftritten von Jurassic Five, Zion-I und Del The Funky Homosapien ist ‚Rainydayz Remixes‘ ein schier unbeschreiblich gutes Kleinod. Superschöne Beats, flowende Raps und natürlich immer wieder der im Subtext mitschwingende unverkennbare (vielleicht sogar besonders zur Geltung gebrachte) Radiohead Sound. Ich war beim ersten Hören sofort hin und weg, jetzt süchtig danach und hab das Teil z.Zt. auf Heavy Heavy Rotation laufen. ‚Videotapez‘ gehört zu einer jener Entdeckungen, von denen ich im Jahr vielleicht eine Handvoll habe.

Aber genug geredet. Vielleicht krieg ja auch nur ich bei diesem Ding eine durchaus beachtliche Erektion. Weil das beste kommt ja noch: es is vollkommen umsonst, mittlerweile auch in Absprache mit den Masterminds themselves. Und runterladen kan man es nun auch hier. Enjoy!

Herzensangelegenheit

7. März 2008

Ja, ich glaube es ist mal wieder an der Zeit. Zeit für einen neuen Artikel und Zeit ein weiteres Mal dem deutschen HipHop hinterherzutrauern. Mann, was war das doch für eine unglaublich entspannter, sorgenfreier und verdammt aufregender Lebensabschnitt. Damals: 1999 – 2001, 10. – 12. Klasse, 15 – 17 Jahre, Hardcore-Abstinenzler – schlimmer Wodka-Lemon Junk, Jungfräulichkeit – Guten-Morgen-Sex, völlige Planlosigkeit – halbwegs-Lebensentwurf. Und immer im Hinterkopf bzw. in den Nebenohrhöhlen: guter deutscher HipHop. Relaxte Beats, Texte die noch Geschichten erzählt haben, Spaß statt Überheblichkeit, Weed statt Koks, „Auf die Bühnen der Jugendzentren und Dorfdiskos bring ich Dirty Dancing und postpubertären Zwangsvulgarismus.“ statt “ Deutsche Mucke ist das Gift und ihr seid gegen uns, weil ich den längsten hab und weil ich damit jeden bums.“.

Ich bin damals gerade von einem dreijährigen Aufenthalt in den USA nach Deutschland zurückgekehrt und war geprägt von amerikanischem Indie und britischem Rock – Oasis, Everclear, Bush, Harvey Danger und dergleichen – was eben in den Staaten gerade so angesagt war. Von HipHop und Rap hatte ich zu diesem Zeitpunkt wenig bis keine Ahnung, auch weil es drüben eben Mitte der Neunziger nichts gab was mich wirklich angesprochen hat: Dre hab ich nicht so wirklich wahrgenommen, Puff Daddy und Gefolge hab ich erfolgreich ignoriert, an Wu-Tang kann ich bis heute nich ran, Gangstarr, The Roots, Mos Def und Konsorten hab ich erst später entdeckt, in die alten Tupac und Biggie Sachen hör ich mich gerade rein. Ich war sozusagen noch unbefleckt.

Zwar hörte ich auch hier weiterhin zu 80% Rock, Punk, und Indie, entdeckte aber vermehrt die deutsche Szene, hauptsächlich bestehend aus der Hamburger Schule – Tocotronic, Blumfeld, Tomte etc. – und Bands wie Readymade, Angelika Express, Sportfreunde Stiller oder The Notwist. Ich hatte gelernt mich soweit wie möglich von deutschem Radio fernzuhalten, kaufte noch CDs und schaute Viva Zwei. Letzterem, mit anderen Worten, dem besten jemals existiert habendem Fernsehsender (aber das ist ein ganz anderes Kapitel…) verdanke ich dann auch meine ersten Gehversuche auf dem Gebiet des deutschen Sprechgesangs. Denn neben ‚Song 2‘, ‚Let Me In‘ und ‚Bleed American‘ rotierten hier eben auch die Videos von ‚Hand auf’s Herz‘, ‚Reimemonster‘, ‚Hammerhart‘ und ‚Fensterplatz‘. Zusätzlich kam hinzu, dass die Clique mit der ich damals noch abgehangen hab nunmal aus Skatern und Kiffern bestand, der Kontakt mehr oder weniger unumgänglich war.

Wie auch immer. Mit eben genannten Songs wären wir eigentlich auch schon bei meinen Helden der damaligen Zeit: Eins Zwo, die Mongo Klikke um die Beginner, Ferris und Dynamite Deluxe, aus Stuttgart Afrob, aus München Blumentopf. Mit Curse oder Spax, den Massiven oder Spezializtz, allem was aus Heidelberg kam oder dem damals noch im Untergrund fungierenden Kool Savas konnt ich noch nie was anfangen. Auch wenn ich den Text zu ‚Pimp Legionär‘ immernoch fast auswendig kann und seine Crew M.O.R. doch den ein oder anderen wirklich guten Titel hatte. Später kamen jedenfalls noch Tefla & Jaleel, RAG, Nico Suave, Creutzfeldt & Jakob und ab und an Azad dazu.

Damals war es scheinbar in jeder zweiten Stadt Deutschlands möglich smoove Beats mit intelligenten Texten zu kombinieren, sodass man sogar mit Recht behaupten konnte, die deutsche Szene hatte einen eigenen Stil entwickelt, ein Art Gegenpol zum amerikanischen Gangsta und Bling Rap als auch eine gewisse Abgrenzung zum rauhen, harten (NTM) bis wahnsinnig flowendem (IAM) Sound der aus Frankreich dröhnte. Die Künstler haben ihre Musik ernst genommen, aber nie zu ernst. Klar wollten auch jeder von seinem Hobby leben können, trotzdem hatte man immer das Gefühl, dass Profit erstmal nebensächlich war und der Spaß im Vordergrund stand. Klar wurde auch hier und da gedisst – man erinnere sich nur an die Sticheleien zwischen Samy und Azad oder MC Rene und… ja, jedem eigentlich – aber es gab Collabos en masse und es herrschte generell ein freundlicher Umgangston. Das Splash! war noch eine Familienangelegenheit und fest in deutscher Hand. Zu den Konzerten kamen Jungs in ranzigen Jeans, Eimsbush Hoodies und ausgelatschen Etnies, Emericas oder DCs.

Und dann kam irgendwann, relativ plötzlich und warum auch immer, der Bruch. Eingeleitet von dem meiner Meinung nach letzten wirklich herausragendem Album dieser Zeit ‚Deluxe Soundsystem‘ von Dynamite Deluxe. Weder Blumentopf mit ‚Eins A‘ noch Eins Zwo mit ‚Zwo‘ kamen an ihre jeweilgen Vorgänger ran. Die Beginner versuchten es zwei Jahre später nochmal mit ‚Blast Action Heroes‘ gingen aber musikalisch schon ganz andere, kommerziellere Wege. Viele andere konnten ihren selbst gesetzten Standards nicht mehr gerecht werden, verschwanden in der Versenkung, lösten sich auf oder versuchten mehr oder weniger erfolglose Stilwechsel.

Klar gibt es viele der damaligen Künstler noch, is ja nich so dass die alle auf einmal entschieden haben alles an den Nagel zu hängen. Aber schaut euch das doch mal an! Blumentopf entwickelt sich seit Jahren nicht mehr weiter, die Beginner haben sich scheinbar vollends dem Pop verschrieben und Samy schiebt Doppelkinn und Wampe vor sich her und macht einen auf Gangster. Wobei er dabei bei weitem nich der einzige ist, schaut nur mal bei MySpace was aus Mr. Schnabel geworden ist… Der Rest werkelt entweder wieder im Untergrund mit wackeligen Videos und schlechter Promo oder hat die Zeichen der Zeit erkannt und aufgegeben. Leute wie die Fantas, D-Flame und Fettes Brot hat eh noch nie jemand ernst genommen. Potenzielle Nachfolger wie Deichkind oder Clueso gingen sehr schnell andere Wege.

Und dann kams ganz dicke. Aggro Berlin erlebte einen kometenhaften Aufstieg. Bushido, Sido und B-Tight warfen mit expliziten Texten nur so um sich. Leute wie Azad und Kool Savas gaben sich dieser Art des Raps nun auch vollends hin. Raptile und Eko wollten einen auf dicke (amerikanische) Hose machen. Das Unvermeidbare nahm seinen Lauf, jetzt bestimmt Berlin das Geschehen und wir haben Fler, Massiv, Baba Saad und Konsorten an der Backe. Von Frauenarzt oder King Orgasmus red ich erst gar nicht. Obwohl ich bis heute bei ersterem nicht sicher bin, ob das nicht alles nur eine sehr gut inszenierte Show ist und er sich insgeheim ständig ins Fäustchen lacht.

Warum verdammte Scheiße ist das so?! Klar, das Angebot bestimmt die Nachfrage. Ich nehm es daher der heutigen ‚Jugend‘ auch nicht übel das sie sich in XXXL Shirts, New Era Caps, Edel Nike Sneakers und Goldketten wirft um ihren Vorbildern nachzueifern. Es gibt ja nix anderes! Wenn man eben damit aufwächst. Was man nicht kennt vermisst man nicht. Bezeichnend ist doch wie wenig Aufmerksamkeit Dendemann’s ‚Pfütze des Eisbergs‘ vor anderthalb Jahren geschenkt wurde. Endlich mal wieder ausgefeilte, intelligente Texte. Aber das interessiert die Kiddies heute nich mehr. Die wollen Zeilen à la „ich hab den größten“, „ich fick deine mudder“ und „fuffies im club“ und nix anderes.

Trotzdem frag ich mich warum die Hochzeit des deutschen HipHops so abrupt zu einem Ende kam. Lag es einfach daran dass „alten Idolen die Ideen ausgingen“? Hatten die alle einfach keinen Bock mehr auf diesen ‚Stil‘? War er nicht mehr lukrativ genug, so dass man einfach neue Wege gehen musste? Oder: War es einfach Zeit?

Egal wie, es ist einfach verdammt schade wenn man sich mit raptechnischer Diätkost zufrieden geben muss, wenn man weiß, dass in diesem Land schonmal Sterneküche zubereitet wurde. Auch wenn ich so diese Musik speziell auf ewig mit einem besonders wichtigen, wertvollen und erinnerungswürdigen Lebensabschnitt verbinden und darin schwelgen kann…

Bei den Brit Awards traten Klaxons und Rihanna gemeinsam für eine Performance zu „Umbrella“ auf. Nach Kanye West & Daft Punk ist das die nächste Live Show, die ich wirklich gerne gesehen hätte. Vor allem, weil der Song so viel angenehmer klingt, obwohl der echt nur noch nervt.. man, hätten die den nicht so veröffentlichen können!

Egal. Hier ist das Video:

The Real Deal

13. Februar 2008

Ich LIEBE 2Pac. Das ist mal echte Ghettomusik. Im Sinne von Hip Hop natürlich. Es gibt zwei Tracks, die mir besonders am Herz liegen, weil ich mit 12 die Zeit meines Lebens hatte, wo ich unbedingt sein wollte wie die ganzen coolen (schwarzen) Rapper. Oh ja, ich wollte schwarz sein. Und bevor ich es vergesse, außerdem wollte ich schon immer ein Junge sein, das hat auch erst kürzlich aufgehört, als mir aufgefallen ist, das Männer sowas wie Vorhaut haben und ich lieber dafür monatlich blute.

Anyway. Ich mag 2Pac ja. Ich mag Biggie nicht, der ist irgendwie fett und nervig und nicht cool gewesen (auch wenn ich mittlerweile alt genug bin, um die Künste hinter seinen Tracks zu erkennen und zu aktzeptieren, wenn auch unter viel Leid und Qualen). Also, mit 12 entdeckte ich Westside und so weiter und so fort und hab dann auch nur noch Baggy-Klamotten angezogen und sah aus wie Lil‘ Kim als Typ verkleidet in weiß und post-pubertär mit arabischem Flair.

Also eigentlich sah ich überhaupt nicht aus wie Lil‘ Kim.

Kommen wir zum Punkt. 2Pac ist cool. Und diese zwei Tracks sind fett und haben gerade einen re-entry in meinen aktuellen Playlisten geschafft. Let’s roll!

Das war Hit Em Up. Der beste Track, ungefähr. Diss die Fetten! Naja, der andere ist California Love, aber da ist das Video echt unter aller Sau beschissen, find ich. Ist halt nicht Kanye West, nech.

Da fällt mir ein, ich höre heute immer noch lieber das Zeug von der Westcoast als von der Eastcoast. So Fatzken wie P-Diddy-Puff-Daddy kann ich überhaupt nicht, da muss ich immer ein bisschen in meinem Mund rumkotzen. Dann dreitausendundzwei Mal lieber Dre und den nervigen, strohigen Snoop Dogg, der seit neuestem auch Musik mit britischen Boybands macht (zu was einen das Geld wohl noch so zwingen mag, hm!). Obwohl ich ja New York lieber mag als L.A… dafür finde ich aber, dass San Francisco (wohlbekannt als die Hochburg des schwarzen Hip Hop… ha. ha.) ungefähr die schönste Stadt in ganz Amerika ist. Jedenfalls die schönste, die ich gesehen habe. In Amerika. Nordamerika. In den Vereinigten Staaten.

Möp. Muss schlafen gehen.